Förderverein Bairische Sprache und Dialekte fordert Taten nach Landtagsinitiative zur Dialektförderung
Der Sozialausschuss im bayerischen Landtag sieht Handlungsbedarf bei der Dialektförderung. Es sei ein Alarmzeichen, dass der Anteil der bairisch sprechenden jungen Bevölkerung in Bayern seit Jahren schwinde, stellte der stellvertretende Ausschussvorsitzende Joachim Unterländer fest. Damit schloss sich Unterländer den Warnungen des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte an, der bereits seit längerem von der Landespolitik konsequente Maßnahmen zur Dialektförderung fordert.
Diese Aufgabe erfüllte Staatsministerin Christine Haderthauer und legte eine Zusammenstellung bestehender Aktivitäten und Fundstellen in Lehrplänen zur Dialektförderung vor. So werde im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan Wert auf die Wertschätzung der Familienkultur und der Familiensprachen gelegt. In bayerischen Kindertageseinrichtungen soll deshalb sowohl Dialekt gepflegt als auch Hochdeutsch gefördert werden. Kein Kind werde zum Sprechen der Hochsprache gedrängt. In den Lehrplänen der Ausbildungseinrichtungen für Kinderpflege sei die Dialektförderung nicht erwähnt, aber in Lerninhalten impliziert. Die Gesamtsituation der Mundartpflege in Bayern stelle sich insgesamt positiv dar. Sprachwechsel aufzuhalten sei jedoch nicht möglich und auch nicht Aufgabe des Staates.
Nach Meinung Münzingers übernehme gemäß Verfassung der Freistaat Bayern den Schutz kultureller Überlieferungen. Hierzu zählen in besonderem Maß die bairische Sprache und die Dialekte als elementare Kulturgüter. Zudem sei Artikel 131 der Bayerischen Verfassung, wonach Schüler in der Liebe zur bayerischen Heimat zu erziehen sind, nicht als romantische Hingabe an Bayern zu verstehen, sondern als Auftrag, Schülern kulturelle Entwicklung und historisches Wissen über Bayern zu vermitteln. Sprache und Mundart seien hier unabdingbar.
Es sei deshalb gerade bei der Erzieherausbildung erforderlich die Mundartförderung als eine hochwertige grundsätzliche Aufgabe der Erziehungs- und Lehranstalten festzuschreiben und einzufordern. Mundart nur in Lehrplänen zu thematisieren, deren Umsetzung kaum nachprüfbar sei, reiche nicht aus. Es müsse sehr deutlich gemacht werden, dass die Mundarten als sprachliche Bezugspunkte und als wesentlicher Bestandteil bayerischer Kultur nicht vernachlässigt oder gar diskriminiert werden dürften. Nicht zu unterschätzen sei zudem die Bedeutung einer über Generationen vererbten regional begrenzten Sprache oder einer Mundart als Stabilisator örtlicher Gemeinschaften. Das Netz aus Orts- oder Muttersprache, Brauchtumspflege und Gemeinschaftssinn ist Voraussetzung für die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und für die kreative und engagierte Bewältigung der vielfältigen zukunftsrelevanten Aufgaben in Dörfern, Städten und Landkreisen, so Münzinger weiter.
Münzinger fordert deshalb, das Wissen über Herkunft, Entwicklung und Bedeutung der bairischen Sprache und der Mundarten als konkretes und nachprüfbares Lernziel in die Berufsausbildung für Erzieher in Bayern aufzunehmen. Den Erziehern ohne oder mit nur geringem bairischen Sprachwortschatz müsse in der Aus- und Fortbildung durch geeignetes Lernmaterial und tiefgehende und vertrauensvolle Wissensvermittlung die Scheu vor der barischen Sprache und den Dialekten genommen werden. Um Wirkung zu erzielen müssen zudem die Lernziele regelmäßig untersucht, bewertet und transparent veröffentlicht werden.
Vorrangig sei aber zunächst ein klares öffentliches Bekenntnis der bayerischen Staatsregierung und ihrer Repräsentanten zur Förderung der bairischen Sprache und der Dialekte. Als wahrnehmbare Sofortmaßnahme empfahl Münzinger den Austausch norddeutscher Begriffe durch im südlichen Sprachraum beheimateter Begriffe (Bub anstelle Junge) auf den Internetseiten des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus.
Quelle: Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V.
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